Ratgeber

Warum ein christliches Geschenk kein Kitsch sein muss: das Verhältnis von Form und Inhalt

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Oktober 20265 Min. LesezeitSpicaJournal

Ein schlichtes Holzkreuz und ein Zweig getrockneter Lavendel auf elfenbeinfarbenem Leinen, daneben ein gefaltetes tiefblaues Band, in sanftem Morgenlicht

Bei vielen von uns liegt ganz hinten in einer Schublade so ein Gegenstand. Ein glitzerndes Engelchen, ein Bild mit Inschrift, das uns jemand mit Liebe geschenkt hat und das wir nie aufgestellt haben. Nicht wegen des Glaubens ist es in der Schublade geblieben. Irgendetwas stimmte daran nicht, nur hätte man schwer sagen können, was.

Als wir begannen, unsere ersten Stücke zu entwerfen, kehrte diese Frage immer wieder zurück. Lange dachten wir, es sei Geschmackssache. Heute glauben wir das nicht mehr: Kitsch hat eine Struktur, und wer sie versteht, kann ihn auch vermeiden.

Was bedeutet Kitsch genau?

Das Wort ist deutschen Ursprungs. Der Überlieferung nach tauchte Kitsch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Münchner Kunsthandel auf, als Bezeichnung für billige, schnell verkäufliche Bilder. Seine Herkunft ist umstritten: Manche führen es auf ein mundartliches Verb mit der Bedeutung „Schlamm zusammenscharren“ oder „schmieren“ zurück, andere halten es für eine Verballhornung des englischen sketch (Skizze).

Am schärfsten hat es vielleicht der österreichische Schriftsteller Hermann Broch formuliert: Kitsch sei nicht einfach schlechte Kunst, sondern eine, die nicht „gut“, sondern „schön“ arbeiten will. Er sucht also nicht das Wahre, sondern die Wirkung. Deshalb kann ein schlichtes Holzkreuz würdevoll sein – und deshalb kann eine vergoldete, leuchtende, musizierende Version unangenehm wirken. Nicht das Maß des Glaubens unterscheidet sich, sondern das Verhältnis.

Kitsch entsteht, wenn die Form lauter ist als der Inhalt.

Was unterscheidet eine Devotionalie von einem christlichen Geschenk?

Nach dem Ungarischen Katholischen Lexikon (Magyar Katolikus Lexikon) ist eine Devotionalie ein Gegenstand, der die persönliche Andacht fördert: Kreuz, Kruzifix, Heiligenbild, Statue, Rosenkranz, Skapulier. Man trägt sie meist bei sich und verwendet sie beim Gebet. Das Lexikon betont auch, dass eine Devotionalie kein Amulett ist: Nicht dem Gegenstand wird Kraft zugeschrieben.

Ein christliches Geschenk ist weiter gefasst. Es kann eine Devotionalie sein, aber auch ein Buch, ein Bild oder eine essbare Kleinigkeit, die einen Gedanken des Glaubens weiterträgt. Dann ist auch der Maßstab ein anderer: Die Frage ist nicht, wie „heilig“ der Gegenstand ist, sondern ob er dessen würdig ist, was er trägt.

Kann ein christliches Geschenk auch zu zurückhaltend sein?

Ja, und darüber spricht man seltener. Wenn jemand den Kitsch so sehr fürchtet, dass er jeden Inhalt vom Gegenstand abschleift, ist das Ergebnis schön, minimalistisch, neutral – und sagt nichts. Diese Art von Vorsicht ist ebenso leer wie Protzerei, nur leiser.

Wir beobachten, dass dies bei christlichen Geschenken heute der häufigere Irrtum ist. Wir wollen so sehr keine Devotionalie schenken, dass wir am Ende ein schönes, aber bedeutungsloses Designobjekt in der Hand halten. Dabei möchte, wer ein christliches Geschenk macht, gerade, dass etwas ankommt.

Wie sieht ein geschmackvolles, modernes christliches Geschenk aus?

Wir suchen den schmalen Streifen zwischen beidem, auf dem sich ein Gegenstand respektvoll der Tradition zuwendet und sich doch selbstverständlich in ein heutiges Zuhause einfügt. Es überrascht nicht, dass die Kirche ähnlich denkt: Das Zweite Vatikanische Konzil verlangte in seinen Aussagen über die sakrale Kunst, man solle „mehr auf edle Schönheit bedacht sein als auf bloßen Aufwand“.

In der Praxis bedeutet das einige Entscheidungen. Wenige Elemente: ein Zeichen, nicht fünf. Zurückhaltende Farben: Tiefblau, Elfenbein, eine einzige Linie Gold. Echtes Material: eines, das so aussieht, wie es ist. Und eine Botschaft, die nicht sofort sichtbar ist. In der GALAMBOM-Box zum Beispiel verbirgt sich ein Satinband; erst wenn man es herauszieht, wird ein einziger Gedanke eines christlichen Heiligen sichtbar. Wir haben vierundzwanzig verschiedene Botschaften, und der Lebkuchen wird von Hand in der Konditorei Milimári Sütiműhely in Budakeszi gefertigt.

Dieser letzte Punkt ist uns der wichtigste. Was sofort laut ist, wird man auch sofort leid. Was wartet, bis wir uns ihm zuwenden, bleibt viel länger bei uns. Dieselbe stille Gegenwart haben wir gesucht, als wir über das Tischgebet geschrieben haben.

Wie erkennt man, ob ein Gegenstand kitschig ist?

Wenn Sie bei einem Gegenstand unsicher sind, fragen Sie sich: Könnte ich ihn im Wohnzimmer aufstellen, ohne ihn erklären zu müssen? Wenn ja, ist er wahrscheinlich gut. Wenn nicht, liegt das nicht unbedingt am Glauben, sondern daran, dass der Gegenstand mehr verspricht, als er hält.

Auch eine zweite Frage hilft: Was bleibt, wenn man den Schmuck wegnimmt? Von einem guten Gegenstand bleibt auch dann etwas – eine Form, ein Satz, eine Geste. Vom Kitsch fast nichts.

Zu welchen Anlässen passt ein christliches Geschenk?

Vor allem zu denen, bei denen der Glaube ohnehin gegenwärtig ist: zur Taufe, zur Erstkommunion, zur Firmung, zur Hochzeit, aber auch zum Namenstag oder zu Weihnachten. Bei diesen Anlässen erwartet niemand, dass das Geschenk neutral ist – wohl aber, dass es einem nicht peinlich ist, es aufzustellen. Wir glauben, dass die Dinge, mit denen wir uns umgeben, auch unsere Seele formen. Deshalb sind uns feine Formen und hochwertige Materialien wichtig – nicht aus ästhetischem Luxus, sondern weil ein Gegenstand uns nur dann durch den Alltag begleiten kann, wenn sein Anblick nicht ermüdet.

Häufige Fragen

Woher kommt das Wort Kitsch?

Das deutsche Wort Kitsch verbreitete sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Münchner Kunsthandel als Bezeichnung für billige, schnell verkäufliche Bilder. Seine genaue Herkunft ist umstritten: Manche führen es auf ein mundartliches Verb für Schlamm zusammenscharren oder schmieren zurück, andere auf das englische Wort sketch (Skizze).

Was gilt als Devotionalie?

Nach der Definition des Ungarischen Katholischen Lexikons (Magyar Katolikus Lexikon) ist es ein Gegenstand, der die persönliche Andacht fördert, etwa ein Kreuz, ein Kruzifix, ein Heiligenbild, eine Statue, ein Rosenkranz oder ein Skapulier. Eine Devotionalie ist kein Amulett: Nicht dem Gegenstand wird Kraft zugeschrieben, sondern er unterstützt das Gebet.

Kann ein christliches Geschenk modern sein?

Ja. Modern bedeutet hier nicht, die Tradition aufzugeben, sondern eine klare Form: wenige Elemente, zurückhaltende Farben, echtes Material. Ein solcher Gegenstand kann ebenso ein Gebet oder den Gedanken eines Heiligen tragen – nur nicht lautstark.

Kann man einem Menschen, der nicht glaubt, ein christliches Geschenk machen?

Ja, wenn der Gegenstand kein Glaubensbekenntnis von ihm verlangt. Ein schöner Satz, eine hochwertige essbare Kleinigkeit oder ein schlichtes Bild kann jeden ansprechen. Wählen Sie am besten etwas, das in seiner Botschaft aufrichtig und in seiner Form taktvoll ist.

Warum ist die Botschaft in der GALAMBOM-Box verborgen?

Weil wir glauben, dass man dessen, was sofort laut ist, auch sofort überdrüssig wird. In der Box verbirgt sich ein Satinband, und erst beim Herausziehen wird darauf ein einziger Gedanke eines christlichen Heiligen sichtbar. Es gibt vierundzwanzig verschiedene Botschaften.

Was tun mit einer geschenkten Devotionalie, die man als kitschig empfindet?

Sehen Sie zuerst die Absicht dahinter: Wer sie geschenkt hat, tat es meist aus Liebe. Passt sie nicht in Ihr Zuhause, stellen Sie sie an einen Ort, an dem Sie sie persönlich nutzen, etwa in Ihre Gebetsecke, oder schenken Sie sie jemandem weiter, dem sie Freude macht. Bei einem gesegneten Gegenstand berät man Sie auch in der Pfarrei gern.