Tradition

Was schenkt man zum Namenstag? Ein fast vergessener ungarischer Brauch

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Oktober 20265 Min. LesezeitSpicaJournal

Kalenderblatt mit einer einzelnen Blume – Strichzeichnung

An einem Novembermorgen findet jemand einen kleinen Blumenstrauß auf ihrem Schreibtisch. Keine Karte liegt dabei, nur ein Zettel mit zwei Wörtern und einem Namen. Es ist nicht ihr Geburtstag und auch kein Jahrestag. Es ist der 25. November, der Katharinentag (Katalin napja) – und jemand hat daran gedacht.

Wir glauben, dass diese Art von Aufmerksamkeit leise verloren geht, dabei sind nur wenige unserer Bräuche so alt und so liebenswert. Wer die Geschichte dieses Brauchs kennt, dem fällt es leichter, ihn auch gut zu pflegen.

Woher kommt der Namenstag?

Der Namenstag ist aus dem christlichen Heiligenkalender hervorgegangen. Die katholische Kirche gibt dem Täufling traditionell bei der Taufe den Namen eines Heiligen, damit dieser ihm Vorbild und Fürsprecher sei. Wer einen Namenspatron hat, hat auch ein Fest: den Gedenktag des Heiligen im Kalender. Diesen Tag beging, wer den Namen trug – daraus wurde der Namenstag.

Früher gehörten Name und Kalender noch enger zusammen. Laut dem Ungarischen Ethnographischen Lexikon (Magyar Néprajzi Lexikon) war es, vor allem unter Katholiken, allgemein üblich, dass ein Kind einen Kalendernamen erhielt, der nahe an seinem Geburtstag lag, und vielerorts wählte der taufende Priester einfach den Heiligen des Geburts- oder Tauftages.

Seit wann begeht man in Ungarn den Namenstag?

Mindestens seit dem 16. Jahrhundert – und das wissen wir erstaunlich genau. Am 19. Dezember 1542 schrieb Kanizsai Orsolya ihrem Ehemann Nádasdy Tamás einen Brief: Zwei Tage vor dem Thomastag schickte sie ihm das „Sankt-Thomas-Gebäck“ (szent Tamás béles), dazu Brezeln, und bestellte auch Wild für das Fest. Der Volkskundler Bogdán István hält dies für den ersten bekannten ungarischen Namenstagsgruß.

Der Brauch blieb nicht auf die Adelshäuser beschränkt. In den Dörfern brachte der Namenstag des Bauern und der Bäuerin die ganze Umgebung auf die Beine: Es kamen die Verwandten, die Paten, die Nachbarn, und auch die Kinder kamen, um zu gratulieren. Die volkskundliche Beschreibung fasst das Wesentliche in einem einzigen Satz zusammen: „Eine Einladung gibt es nicht, denn der Namenstagsbesuch ist eine Ehrerweisung.“ Die Protestanten begingen den Namenstag, obwohl sie die Heiligen nicht verehrten, ganz genauso.

Was schenkt man üblicherweise zum Namenstag?

Der Tradition nach wenig und von Herzen. Die gratulierenden Kinder im Dorf bekamen Obst, Gebäck, Süßigkeiten oder ein wenig Geld, die Erwachsenen wurden bewirtet. Heute schenken wir meist Blumen – für Frauen ist das fast überall selbstverständlich –, dazu vielleicht eine Tafel Schokolade, eine Flasche Wein oder einen guten Tee.

Das Wichtigste ist jedoch nicht der Gegenstand, sondern der Satz. „Isten éltessen“ – „Gott schenke dir ein langes Leben“ – ist ein alter Glückwunsch und heute noch genauso gut wie vor hundert Jahren. Ein Anruf, ein handgeschriebener Zettel, ein Kaffee, den wir jemandem morgens bringen: All das ist ein Namenstagsgeschenk, wenn es seinem Namen gilt.

Der Namenstag verlangt nicht viel. Nur, dass uns jemand in den Sinn kommt – an einem Tag, den nicht wir ausgesucht haben, sondern der Kalender.

Wie groß sollte ein Namenstagsgeschenk sein?

Klein. Das ist keine Knauserei, sondern liegt im Wesen dieses Tages. Ein Namenstagsgeschenk ist dann gut, wenn der andere es nicht erwidern muss und nicht in Verlegenheit gerät. Ein zu großes Geschenk ist an diesem Tag für den Beschenkten eher eine Last als eine Freude – besonders am Arbeitsplatz, wo sich der Namenstag oft leichter begehen lässt als der Geburtstag: Den Namen kennt jeder, das Geburtsdatum kaum jemand.

Als wir die GALAMBOM-Box entworfen haben, hatten wir genau diesen Maßstab im Sinn. Darin liegt ein handgemachter Lebkuchen aus der Konditorei Milimári Sütiműhely in Budakeszi, unter anderem aus hellem Roggenmehl, Blütenhonig vom Imker aus der Region und Rohrzucker. In der Box verbirgt sich ein Satinband: Zieht man es heraus, wird ein einziger Gedanke eines christlichen Heiligen sichtbar. Wir haben vierundzwanzig verschiedene Botschaften. Zum Namenstag passt sie auch deshalb, weil sie aus der Welt der Heiligen kommt – von dort, woher auch der Namenstag selbst stammt.

Eine Box kostet 4,20 €, ab zehn Stück 4,00 € pro Stück, und wir liefern ab Anfang November. Wenn sich in Ihrem Team alle regelmäßig gegenseitig gratulieren: Zu Firmengeschenken haben wir eine eigene Seite.

Was tun, wenn man jemandes Namenstag vergessen hat?

Gratulieren Sie nachträglich. Für den Namenstag gibt es kein so strenges Protokoll wie für den Geburtstag, und auch ein später Glückwunsch ist ein Glückwunsch. Ein „Ich habe gestern an dich gedacht, nur ist mir der Tag davongelaufen“ ist ehrlicher als eine im Voraus geplante, mechanische Nachricht.

Wenn Sie unsicher sind, welchen Tag der andere begeht, fragen Sie ruhig nach. Viele Namen haben mehrere Namenstage – Katalin (Katharina) zum Beispiel sowohl den 30. April als auch den 25. November –, und gefeiert wird meist der Tag, der in der Familie üblich ist.

Warum lohnt es sich, den Namenstag auch heute zu begehen?

Weil er unser einziges Fest ist, das wir weder selbst wählen noch selbst organisieren. Der Kalender bringt ihn, still, jedes Jahr zur selben Zeit. Es braucht keinen Saal, keine Gästeliste, keine Wunschliste – nur, dass wir morgens auf das Datum schauen und uns jemand in den Sinn kommt.

Davon kann es, glauben wir, nie genug geben. Wenn Sie Ideen für weitere kleine Anlässe suchen: Hier haben wir die Anlässe gesammelt.

Häufige Fragen

Seit wann feiert man in Ungarn den Namenstag?

Mindestens seit dem 16. Jahrhundert. Der erste bekannte ungarische Namenstagsgruß stammt aus dem Jahr 1542: Zwei Tage vor dem Thomastag schickte Kanizsai Orsolya ihrem Ehemann Nádasdy Tamás ein festliches Gebäck (Béles) und Brezeln und bestellte auch Wild für das Fest. Der Brauch war überall lebendig, von den Adelshäusern bis in die Dörfer, und auch die Protestanten begingen ihn.

Was ist der Unterschied zwischen Namenstag und Geburtstag?

Der Geburtstag ist der Tag unserer Geburt, der Namenstag der Gedenktag des Heiligen, dessen Namen wir tragen. Das Datum des Namenstags kennt jeder, der einen Blick in den Kalender wirft – deshalb lässt er sich am Arbeitsplatz und unter Bekannten oft leichter begehen als der Geburtstag.

Was schenkt man einem Kollegen zum Namenstag?

Etwas Kleines, das nicht zu einer Gegengabe verpflichtet: eine einzelne Blume, eine Tafel Schokolade, eine handgemachte Süßigkeit oder einen gemeinsamen Kaffee. Das Namenstagsgeschenk ist bewusst bescheiden – es zählt die Aufmerksamkeit, nicht der Preis.

Was tun, wenn ein Name mehrere Namenstage hat?

Viele Namen stehen mehrmals im Kalender, Katalin (Katharina) zum Beispiel sowohl am 30. April als auch am 25. November. Gefeiert wird meist der Tag, der in der Familie üblich ist. Wenn Sie nicht wissen, welchen Tag der andere begeht, fragen Sie ruhig nach.

Ist es zu spät, jemandem am Tag danach zum Namenstag zu gratulieren?

Nein. Für den Namenstag gibt es kein strenges Protokoll, und auch ein später Glückwunsch ist ein Glückwunsch. Ein ehrlicher Satz darüber, dass einem der Tag davongelaufen ist, ist mehr wert als eine mechanische, im Voraus geplante Nachricht.

In welchen Ländern feiert man noch Namenstag?

Der Brauch ist in weiten Teilen Mittel- und Osteuropas, in Skandinavien und auf dem Balkan bekannt, etwa in Polen, Tschechien, der Slowakei, Griechenland, Schweden und Finnland. In den englischsprachigen Ländern ist er dagegen so gut wie unbekannt.